
Der Nahostkonflikt hat in den letzten Wochen die Schlagzeilen dominiert. Dabei ging fast vergessen, dass seit Mitte April die Berichtssaison der kotierten US-Unternehmen läuft. Es ist noch zu früh für ein abschliessendes Urteil, aber in der ersten Woche der Berichtssaison übertrafen neun von zehn Unternehmen die Umsatz- und Gewinnschätzungen der Analystinnen und Analysten. Unserer Meinung nach dürfte sich die robuste Dynamik bei den Unternehmensgewinnen fortsetzen. Wir erwarten ein Gewinnwachstum der Unternehmen im S&P 500 in diesem Jahr um 11 Prozent und rechnen auch an den Aktienmärkten anderer wichtiger Regionen mit einer soliden Gewinnentwicklung.
Diese positiven Nachrichten vonseiten der Unternehmen haben dazu beigetragen, dass der US-Aktienmarkt im April wieder auf ein neues Allzeithoch geklettert ist. Natürlich wurde dieser auch von der Hoffnung auf eine Deeskalation im Nahostkonflikt getrieben. Mitte April überschritt der S&P 500 die Marke von 7000 Punkten und stand damit höher als zu Beginn des Irankonflikts am 28. Februar, als der Index bei rund 6900 Punkten notierte. Bisher konnten Anleger, die investiert geblieben waren, an der insgesamt positiven Marktperformance partizipieren – trotz der geopolitischen Risiken und der damit verbundenen Volatilität.
Das dürfte unserer Meinung nach auch in den kommenden Monaten der Fall sein. Für die USA erwarten wir, dass robuste Konsumausgaben, ein solider Arbeitsmarkt und anhaltende Investitionen der US-Wirtschaft helfen, sich gegen die höheren Energiepreise zu behaupten. In Europa sehen wir ein unterdurchschnittliches Wachstum, aber keinen Einbruch der Konjunktur. Das Konsumentenvertrauen hat nachgelassen, die Regierungen Europas ergreifen allerdings fiskalische Massnahmen zur Unterstützung der Konjunktur.
Wir halten eine Rezession vor diesem Hintergrund für unwahrscheinlich. Die Wachstumsaussichten für die Weltwirtschaft haben sich im Vergleich zum Jahresbeginn zwar abgeschwächt, doch erwarten wir, dass die globale Wirtschaft auf Kurs bleibt – sofern sich die Lage im Nahen Osten nicht massiv verschlechtert.
Eine solche Eskalation entspricht nicht unserem Basisszenario. In diesem erwarten wir einen – wenn auch holprigen – Weg zu einer Lösung, die eine allmähliche Wiederaufnahme des Verkehrs durch die Strasse von Hormus ermöglicht. In einem negativen Szenario bleibt die Strasse aber für einen längeren Zeitraum geschlossen. Andere Risiken sind zwar in den Hintergrund getreten, aber keineswegs verschwunden. Hierzu zählt zum Beispiel ein Rückschlag bei den Investitionen in die künstliche Intelligenz wegen Überinvestitionen und Fehlallokationen.
Investiert zu bleiben, aber gleichzeitig die vorhandenen Risiken mit einer weitreichenden Diversifikation zu reduzieren, bleibt zentral. Eine solide globale Wirtschaft und robustes Wachstum der Unternehmensgewinne sprechen dafür, dass die Märkte in den kommenden Quartalen weiteres Potenzial aufweisen. Zudem dürfte der Aktienmarkt weiterhin durch transformative Innovationen unterstützt werden. Dabei bleibt die künstliche Intelligenz zwar ein starker Treiber des langfristigen Wachstums, doch angesichts der oben beschriebenen Risiken empfehlen wir einen diversifizierten Ansatz für transformative Innovationen, der nicht nur künstliche Intelligenz, sondern auch Energie und Ressourcen sowie Langlebigkeit umfasst.
Insbesondere das Thema Langlebigkeit könnte sich in der aktuellen Situation nicht nur als eine Quelle von langfristigem Wachstum erweisen, sondern auch Stabilität bieten. Langlebigkeit umfasst Anlagechancen, die eine längere Lebenserwartung ermöglichen oder von einer solchen profitieren, insbesondere im Gesundheitswesen. Zwei zentrale Therapiebereiche stellen die Behandlung von Fettleibigkeit und Krebs dar. Schweizer Pharmaunternehmen gehören in der Krebstherapie zu den führenden Anbietern, bei der Behandlung von Stoffwechselkrankheiten sind europäische und US-Unternehmen weiter fortgeschritten.
Viele der Unternehmen in diesem Sektor bieten defensive Qualitäten in turbulenten Zeiten. Diese Eigenschaften und die soliden Bilanzen im Gesundheitssektor könnten gerade dann Unterstützung bieten, wenn es im Nahostkonflikt nicht nach einer Entspannung aussieht.
