
Der Fokus der Märkte liegt weiter beim Krieg im Iran, wo auch nach vier Wochen wenig auf ein baldiges Ende des Konfliktes hindeutet. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass die unterbrochenen Energie- und Güterexporte zu einer ernsthaften Bedrohung für die globale Wirtschaft werden.
Wir gehen nach wie vor davon aus, dass eine Normalisierung der Lage in den nächsten Wochen das wahrscheinlichste Szenario bleibt. Trotzdem ist es möglich, dass sich die Situation vorerst weiter verschlechtert. Für Anlegerinnen und Anleger gilt es daher in erster Linie, einen kühlen Kopf zu bewahren, gleichzeitig aber auch die Portfoliorisiken im Griff zu behalten und diese, wo nötig, abzusichern und/oder zu reduzieren.
Für ein effektives Risikomanagement ist es nötig, nicht nur das Finanzportfolio zu berücksichtigen, sondern das gesamte Haushaltsvermögen. Für die meisten verlangt dies auch nach einer Beurteilung der Chancen und Risiken ihres Immobilienbestands, der oft einen grossen Teil des Portfolios ausmacht, über Hypotheken finanziert wird und illiquid sein kann. Auch wenn Immobilien in den letzten Jahren einen zuverlässigen und attraktiven Beitrag zur Gesamtrendite des Haushaltsvermögens geliefert haben, gilt es, diese Position(en) und deren Finanzierung in die Risikobeurteilung einzubeziehen.
In unserem am 23. März 2026 publizierten zeigt unser Immobilienteam, dass sich an der Attraktivität des Schweizer Immobilienmarkts auch in Zukunft nur wenig ändern dürfte, auch wenn natürlich die einzelnen Liegenschaften individuell beurteilt werden müssen. Die zentralen Thesen dieser Studie können wie folgt zusammengefasst werden:
- Die Rahmenbedingungen für den Schweizer Immobilienmarkt haben sich zwar verändert, doch seine grundlegende Attraktivität ist weiterhin intakt. Tiefe laufende Kosten, ein begrenztes Angebot und stabile institutionelle Rahmenbedingungen sorgen dafür, dass Immobilien in der Schweiz gefragt bleiben – trotz der hohen Preise.
- Beim Wohneigentum bleibt das Interesse hoch; in den letzten Jahren hat die Nachfrage weiter zugenommen. Ausschlaggebend dafür sind unseres Erachtens vor allem die tiefen laufenden Kosten: Im Durchschnitt liegen die effektiven Kosten für selbstgenutztes Wohneigentum rund ein Viertel unter der Miete einer vergleichbaren Wohnung. Gleichzeitig wird der Zugang zu Wohneigentum aber schwieriger: Das hohe Preisniveau führt dazu, dass immer weniger Haushalte die Tragbarkeitskriterien für eine Hypothek erfüllen. Für 2026 dürfte das moderate Wirtschaftswachstum zusammen mit einer steigenden Unsicherheit am Arbeitsmarkt die Nachfrage etwas dämpfen. Entsprechend rechnen wir mit weiterhin positiven, aber geringeren Preissteigerungen als im Vorjahr.
- Für viele Haushalte ist Wohneigentum ohne Hypothek nicht realisierbar. Schulden spielen daher eine zentrale Rolle beim Vermögensaufbau über Immobilien. In Phasen sehr tiefer Zinsen konnten Käufer dank Fremdfinanzierung attraktive Eigenkapitalrenditen erzielen. Gleichzeitig erhöht eine hohe Verschuldung aber die Abhängigkeit von Zins- und Einkommensentwicklungen und birgt Risiken für Haushalte, den Immobilienmarkt und das Finanzsystem. Die im internationalen Vergleich tiefe Staatsverschuldung in der Schweiz dürfte auch längerfristig vergleichsweise stabile Rahmenbedingungen und tendenziell anhaltend tiefe Zinsen ermöglichen – ein klarer Vorteil für den hiesigen Immobilienmarkt.
- Aus geldpolitischer Sicht spricht derzeit wenig für eine Zinswende in der Schweiz. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte ihren Leitzins voraussichtlich über einen längeren Zeitraum unverändert lassen. Zwar könnten geopolitische Spannungen – insbesondere auch der Krieg im Iran – kurzfristig zu höheren Energiepreisen und damit zu einem vorübergehenden Anstieg der Inflation führen. Aufgrund des starken Schweizer Frankens und des gedämpften Wachstumsumfelds ist jedoch nicht mit einem anhaltenden Inflationsdruck zu rechnen. Entsprechend erscheint eine Zinserhöhung durch die SNB auch im aktuellen Umfeld wenig wahrscheinlich. Für den Schweizer Immobilienmarkt bedeutet dies, dass das günstige Zinsumfeld als tragende Säule bestehen bleibt und die Perspektiven nicht durch deutlich höhere Finanzierungskosten gefährdet sind.
Für einen detaillierteren Ausblick zum Immobilienmarkt in der Schweiz verweisen wir an dieser Stelle nochmals auf die soeben publiziert Studie Real Estate Focus. Anleger sollten im aktuellen Umfeld die Chancen und Risiken ihres Gesamtvermögens möglichst ganzheitlich, systematisch und objektiv beurteilen. Unser mittelfristiger Ausblick bleibt weiterhin positiv, kurzfristig könnte es aber zu weiteren Korrekturen kommen. Gerade während solchen geopolitischen Schocks können Immobilien in der Schweiz helfen, das Gesamtvermögen zu stabilisieren; damit können sie das Risikomanagement des Portfolios ergänzen, ersetzen dieses aber nicht.
