?Im Vergleich zu allen anderen Nobelpreistr?gern für Wirtschaftswissenschaften ist meine Arbeit wohl am abstraktesten?, sagte Gérard Debreu im Jahr 1985, zwei Jahre nachdem er den Nobelpreis für seine Theorie des wirtschaftlichen Gleichgewichts erhalten hatte. Obgleich Debreu sein ganzes Leben lang Theoretiker blieb und sich nicht viel um die praktische Anwendung seiner wissenschaftlichen Arbeit scherte, bildeten seine mathematischen Modelle die Grundlage für Generationen von Wirtschaftswissenschaftlern, die erforschten, wie Individuen und Unternehmen interagieren und wie die Marktwirtschaft tats?chlich funktioniert.

Gérard Debreu
Alfred-Nobel-Ged?chtnispreis für Wirtschaftswissenschaften, 1983
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Wechsel von der Mathematik zu den Wirtschaftswissenschaften
Wechsel von der Mathematik zu den Wirtschaftswissenschaften
Als im September 1939 für Frankreich der zweite Weltkrieg begann, war Debreu ein 18-j?hriger Junge, der gerade sein Studium der Mathematik begonnen hatte. Ein Jahr sp?ter war das franz?sische Staatsgebiet bereits unterteilt in eine n?rdliche Zone unter deutscher Milit?rverwaltung und eine freie Zone im Süden des Landes. Debreu bewegte sich in beiden Zonen, entschied sich dann aber schliesslich für ein Studium in Paris. Trotz der Besetzung der Hauptstadt durch die Nationalsozialisten konzentrierte er sich auf sein Studium an der Universit?t, wo er, so sagt er es in seiner Nobel-Autobiographie, die ?sehr aufgeheizte intellektuelle Atmosph?re? genoss.
Nach kurzem Milit?rdienst bei den franz?sischen Besatzungstruppen kehrte er zurück an die Universit?t und interessierte sich zunehmend für die Wirtschaftswissenschaften. Er las die Theorien von Léon Walras, dem Pionier der Entwicklung der allgemeinen Gleichgewichtstheorie, und trat alsbald in seine Fussstapfen. ?Ich hatte mein Thema entdeckt, es faszinierte mich einfach?, sagte Debreu. ?Ich fand, dass man hier noch viel Arbeit zu leisten war.?
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Warum münden die wirtschaftlichen Entscheidungen der Menschen nicht in ein komplettes Chaos?
Ein Franzose in den Vereinigten Staaten
Als Debreu am Anfang seiner akademischen Laufbahn stand, wurde die Mathematik in der Wirtschaftstheorie immer beliebter. Ein Stipendium er?ffnete ihm die M?glichkeit, die Harvard University, die University of California, Berkeley, die Columbia University und die University of Chicago zu besuchen. So konnte er sich mit neuen Entwicklungen vertraut machen, die in Frankreich w?hrend des Krieges noch nicht bekannt waren. Die Cowles Commission for Research in Economics in Chicago machte Debreu ein Angebot, das er nicht ablehnen konnte, und er entschied sich, in den USA zu bleiben. In den folgenden Jahren widmete er den Grossteil seiner Forschungsarbeit dem Thema, das ihn überhaupt erst zu den Wirtschaftswissenschaften geführt hatte: dem allgemeinen Gleichgewicht.
Was bestimmt den Marktpreis?
Wenn man die Theorie des allgemeinen Gleichgewichts verstehen m?chte, muss man sich mit einem der grundlegenden Konzepte der Mikro?konomie befassen – dem Angebot und der Nachfrage. Wie wir wissen, bezieht sich die Nachfrage darauf, wie sehr ein Produkt von den Verbrauchern nachgefragt wird, und das Angebot auf die Menge dieses Produkts, die auf dem Markt vorhanden ist. Deshalb wird der Preis theoretisch so lange schwanken, bis beide Seiten im Gleichgewicht sind. An diesem Punkt erreicht der Markt ein wirtschaftliches Gleichgewicht. Ein Wirtschaftswissenschaftler würde sagen: Der Markt kl?rt sich.
An der Universit?t Stanford arbeitete Professor Debreu zusammen mit seinem Nobelpreiskollegen Kenneth Arrow. Die beiden Wissenschaftler versuchten, einen mathematischen Beweis dafür zu finden, dass es tats?chlich ein allgemeines Gleichgewicht gibt.
?Das Wirtschaftssystem ist stark vernetzt. Wenn an irgendeiner Stelle innerhalb einer Wirtschaft etwas geschieht, hat das Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft?, erkl?rte Arrow. ?Eine Innovation in einem bestimmten Bereich kann die Nachfrage nach bestimmten Ressourcen erh?hen, und sie damit anderen Bereichen entziehen. Man kann einen Wirtschaftszweig nicht verstehen, ohne dass man auf die entfernten Beziehungen zu anderen Wirtschaftszweigen Bezug nimmt.?
Debreu und Arrow konnten ihre Theorie beweisen und zeigten, dass es Preise gibt, die einen Markts ins Gleichgewicht bringen.
Eine Lektion fürs Leben:?Etwas finden, an das man glaubst
Obschon er sich für Politik interessierte, sah Debreu von allzu h?ufigen Kommentaren ab. Nachdem ihm der Nobelpreis verliehen worden war, wurde im klar, dass er nun gr?sseren Einfluss haben k?nnte. ?Es ist einfach nie genug Zeit da?, so Debreu. ?Aber ich versuche, sie nicht zu vergeuden. Ich will sie einfach einem Zweck widmen.?
In den 1980er Jahren entsandte ihn der Menschenrechtsausschuss der Nationalen Akademie der Wissenschaften nach Chile. ?Es war mir wichtiger, über Menschenrechte zu sprechen?, erkl?rte er. Die Delegation, mit der er unterwegs war, sollte untersuchen, ob Wissenschaftler, Ingenieure und Mediziner unter der von Augusto Pinochet geführten Milit?rdiktatur gefoltert wurden.
?Sich für Menschenrechte einzusetzen, kann sehr frustrierend sein?, sagte er. ?Man hat oft den Eindruck, dass man nicht viel erreicht, aber das ist nicht ganz gerechtfertigt. Es gibt F?lle, in denen man etwas erreichen kann.?
Warum kann in der Realit?t nie ein Gleichgewicht erreicht werden?
Debreu wurde gelegentlich eine Position als Berater angeboten, doch lehnte er dieses Amt stets ab. Es kam ihm nie in den Sinn, dass seine Meinung ausserhalb der akademischen Welt von Bedeutung sein k?nnte, da sein Fokus auf der Forschung lag und nicht auf der Anwendung. Ihm war bewusst, dass seine formale Theorie nur eine erste Ann?herung war, wie man die Wirtschaftsaktivit?ten besser verstehen k?nnte. Da sich die Preise für Waren und Dienstleistungen st?ndig ?ndern, kann ein Marktgleichgewicht immer nur theoretisch erreicht werden. Debreu überliess es anderen Wirtschaftswissenschaftlern, seine Theorien auf die Realit?t anzuwenden. Er war der Meinung, dass seine mathematischen Modelle eine grundlegende Sprache für die Arbeit von anderen bieten sollten .
Und das taten sie auch. Wirtschaftswissenschaftler, die auf Debreu folgten, insbesondere die Nobelpreistr?ger Peter Diamond, Robert Aumann?und Daniel McFadden, wiesen auf die Bedeutung seiner Arbeit als einem entscheidenden Ausgangspunkt für ihre eigene Forschung hin.
Die Verantwortung, die mit einem Nobelpreis verbunden ist
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Was müssen Studierende lernen?
Für Debreu war es nicht einfach, seine Komfortzone zu verlassen. Es war zwar bekannt, dass er seine Enkelkinder sehr liebte und gern mit seiner Frau wanderte, aber er sprach nicht viel über sein Privatleben. Sein Einsatz für die Menschenrechte geh?rte zu den wenigen Dingen, über die er ausserhalb seiner Forschungst?tigkeit gerne sprach, ebenso wie sein Engagement für die Hochschulbildung und seine Studentinnen und Studenten. ?Der vielleicht gr?sste Dienst, den ich ihnen erweisen kann, ist die Vermittlung von Enthusiasmus und Interesse?, sagte er.
Die Jugend ist so privilegiert. Es stehen ihnen so viele M?glichkeiten offen. In meinen Augen ist das Wichtigste für sie, dass sie etwas finden, an das sie glauben, und dann ihre ganze Energie dafür einsetzen, und Energie haben sie ja wirklich im ?berfluss.
Warum sollten L?nder bessere Wege finden, um zu wachsen?
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H?ren Sie dazu die Meinung von Michael Spence und wie L?nder nachhaltiges Wachstum generieren und dabei langfristig einen positiven Effekt erzeugen k?nnen.
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