Franco Modigliani gilt als einer der klügsten K?pfe des 20. Jahrhunderts, was ihn nicht daran hinderte, seine Freunde und Besucher auch sportlich herauszufordern – jedes Treffen wurde mit einem freundschaftlichen Tennisspiel begonnen. Eine sch?ne Er?ffnung für deutlich komplexere Dinge, denn in Gegenwart von Modigliani hielt man sich nicht lange mit Smalltalk auf. ?Ich interessiere mich für alle aktuellen Situationen und die sich daraus ergebenden Probleme?, sagte Modigliani. ?Ich interessiere mich schon seit Langem für das Aussenhandelsdefizit und die europ?ische Wirtschaftsleistung.? Gemeinhin wird angenommen, dass ein Defizit in der Wirtschaft zwangsl?ufig zu einer sp?teren Erh?hung der Steuern führt, aber Modigliani argumentierte, dass das Defizit zu einer Verlagerung des Kapitals führt. Dies ist ein klares Beispiel für seinen eigenen exzentrischen Stil auf dem Gebiet der Wirtschaftswissenschaften.

Franco Modigliani

Franco Modigliani

Alfred-Nobel-Ged?chtnispreis für Wirtschaftswissenschaften, 1985

Auf einen Blick

Geburtsjahr: 1918, Rom, Italien

Sterbejahr: 2003, Cambridge, Massachusetts, USA

Fachgebiet: Makro?konomie

Ausgezeichnetes Werk: Wegweisende Analysen zu den Ersparnissen privater Haushalte und der Funktionsweise der Finanzm?rkte

Vorhersagequalit?ten: Sagte drei Tage vor dem Black Monday den B?rsencrash von 1987 voraus

Die Gefahr von Schulden und Unt?tigkeit

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Modigliani erkl?rte das ?neue Ph?nomen? damit, dass eine offene Volkswirtschaft, die ein Handelsbilanzdefizit aufweist, ihre Investitionen bewahren kann, weil die Kapitalknappheit die Zinsen in die H?he treibt und Kapital aus dem Ausland anzieht. Damit würden die inl?ndischen Investitionen zum Teil durch ausl?ndische Ersparnisse finanziert.

?Es findet eine enorme Verlagerung von Ressourcen statt. Die Tendenz bewegt sich weg vom Export und Import konkurrierender Güter und hin zu anderen Sektoren?, sagte er. ?Im Zusammenspiel mit einer Aufwertung des US-Dollar führt dies zu einem starken Rückgang der Exporte und einem sprunghaften Anstieg der Importe.?

?Dieses enorme Defizit verstehen die Menschen nicht?, sagte er. ?Die Leute denken, dass Japan oder Deutschland die USA ausnutzen und dass das Ungleichgewicht unfair ist. Dabei verstehen sie nicht, dass dies eine wirtschaftspolitische Entscheidung der USA ist.?

Wenn die Welt eine Art Schachspiel w?re, was w?re Ihr erster Zug?

Schon im Jahr 1987 wusste Modigliani, dass Europa Investitionen ben?tigt. ?Insbesondere muss Europa die Wirtschaft so stimulieren, dass mehr Arbeitspl?tze geschaffen werden?, sagte er.

Als geborener Italiener machte Modigliani sich grosse Sorgen über die zukünftige Rolle Europas in der globalen Wirtschaft und sprach sich h?ufig für ?vernetzte Modelle? aus, um die internationalen Beziehungen zu verbessern. Wenn der Aussenhandel an Fahrt gewinnt, würde auch die Nachfrage nach in den USA produzierten Gütern steigen. Zentralbank und Regierung sollten mehr Mittel für die Exportindustrie verwenden, was nur durch Steuererh?hungen und ein erh?htes Investitionsvolumen m?glich w?re. Modigliani war der Auffassung, dass diese Massnahmen zu einer Reduzierung des Aussenhandelsdefizits führen würden.

Was bestimmt die H?he unserer Ersparnisse?

Der von Modigliani entwickelte Sparfunktionsansatz l?ste die bis dahin weit verbreitete Annahme ab, dass das Konsum- und Sparniveau vom laufenden Einkommen abh?ngen würden. Die Lebenszyklushypothese bot eine neue Perspektive: Sie geht davon aus, dass Menschen dazu neigen, ein stabiles Konsumniveau zu w?hlen, das sie über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg beibehalten k?nnen. Die Forschungsarbeit von Modigliani war von grosser Bedeutung für wirtschaftspolitische Massnahmen. ?Sparen, um ein Verm?chtnis zu generieren, reagiert auf Besteuerung?, sagte er. ?Sparen über den gesamten Lebenszyklus hinweg reagiert dagegen zum Beispiel auf das Sozialversicherungssystem.?

Was wir in Bezug auf das Sparverhalten verstehen müssen

Sein Lebenszyklusmodell kann zudem auch genutzt werden, um das Verhalten von Staaten und ihre Sparmuster zu erkl?ren. ?Das Sparverhalten eines Landes h?ngt in erster Linie von der Wachstumsrate seiner Wirtschaft ab?, sagte Modigliani. ?Wenn eine Volkswirtschaft nicht w?chst, wird sie auch kein Geld sparen, unabh?ngig davon, wie reich sie ist. Eine wachsende Volkswirtschaft hingegen wird Geld sparen, auch wenn sie arm ist.? Als Beispiel hierfür nannte er China. Das Land war in den 1980er Jahren schneller gewachsen als jede andere Volkswirtschaft und hatte seine Ersparnisse substanziell erh?ht.

Warum sind Steuern gut für ?berraschungen?

Früher ging man davon aus, dass die Finanzierung von Unternehmen mit Fremdkapital anstelle von Eigenkapital vorteilhaft sei, da die Zinss?tze in der Regel niedriger sind als die Kosten für Eigenkapital. Diese Annahme wurde durch das berühmte Modigliani-Miller-Theorem widerlegt.?Wenn es keine Besteuerung gibt, sollte es keine Rolle spielen, wie ein Unternehmen finanziert wird?, sagte er. Durch seinen Nachweis, dass es Mechanismen gibt, die das Risikoniveau und den Wert eines Unternehmens unabh?ngig von der Finanzierung beibehalten, führten Modiglianis Erkenntnisse zu einer neuen Bewegung in der globalen Finanzwirtschaft.

Was ist ein Unternehmen wirklich wert?

Ausgehend vom Modigliani-Miller-Theorem kam es zu unglaublich vielen wissenschaftlichen Arbeiten im Bereich der Finanzwirtschaft, die zur Berechnung und Bewertung von Risiken und Unternehmen beitrugen. ?Dadurch wurden grosse Fortschritte erreicht, denn der Unternehmensgewinn ist ein nicht definiertes Konzept, wenn man Unsicherheiten nicht bewerten kann?, sagte er. ?Der Marktwert eines Unternehmens ist jedoch eine solide Gr?sse.?

Die Welt im Angesicht gravierender Probleme

Auch wenn Modigliani mit seiner Arbeit zum Wohlergehen der Menschen in verschiedenen L?ndern beigetragen und dieses verbessert hatte, beunruhigte ihn der Zustand der Welt im Sommer 1987.

?Vielleicht stehen wir jetzt vor ernsthafteren Problemen als je zuvor?, sagte er. ?Manche davon sind wirtschaftlicher Natur, manche haben mit der Umwelt zu tun, andere mit Fragen von Krieg und Frieden.? So sprach Modigliani bereits Konflikte an, die uns auch nach seinem Tod weiter besch?ftigen. Mit seiner Theorie der rationalen Erwartung wandte er sich gegen die bis dahin vorherrschende Auffassung, dass wir immer schlechter vorhersagen k?nnen, was die Zukunft bringen wird.

?Es gibt Erwartungen an die Zukunft, die, sobald man sie hat und sich dementsprechend verh?lt, dazu führen, dass die Zukunft den Erwartungen tats?chlich entspricht?, sagte er. ?Wir müssen einfach für Konsistenz sorgen.?

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Sind wir in der Lage, unsere Konflikte vorherzusehen?

Warum sollten L?nder bessere Wege finden, um zu wachsen?

H?ren Sie dazu die Meinung von Michael Spence und wie L?nder nachhaltiges Wachstum generieren und dabei langfristig einen positiven Effekt erzeugen k?nnen.

Was bedeutet die wissenschaftliche Arbeit von Modigliani für uns?

?Die wissenschaftliche Arbeit von Modigliani kann uns viel darüber sagen, wie das Konsum- und das Sparverhalten wahrscheinlich reagieren werden. Dies ist angesichts einer weltweiten Krise, die durch ?Entsparen? bzw. Kredite verursacht wurde, für Anleger von grosser Bedeutung.?

Paul Donovan
Global Chief Economist
UBS Wealth Management

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