
Die Märkte reagierten mit Erleichterung auf US-Präsident Donald Trumps Ankündigung, dass er die Frist für die gezielten Schläge gegen Irans Energieinfrastruktur um fünf Tage hinausschiebt und dies mit guten Fortschritten auf dem Weg zu einer möglichen Lösung des Konflikts begründet. Einzelheiten zu den Gesprächen sind nicht bekannt und der Iran dementiert sogar, dass sie stattgefunden haben. Klar ist, dass stark steigende Benzinpreise die US-Konsumentinnen und -Konsumenten und die politische Zustimmung der Regierung belasten. Der Krieg verursacht so auch auf amerikanischer Seite Kosten, die das Kalkül des Präsidenten beeinflussen könnten.
Gleichzeitig werden Erinnerungen an 2022 wach: Der russische Angriff auf die Ukraine führte auch zu steigenden Energiepreisen, Inflationssorgen und Angst vor weiteren Zinserhöhungen. Selbst wenn es bald zu einer Einigung kommt, dürfte es aufgrund der teilweise massiven Infrastrukturschäden länger dauern, bis sich die Energie- und Güterexporte vollständig normalisieren werden. Entsprechend kam es zuletzt zu einem Ausverkauf sowohl bei kurz als auch bei lang laufenden Anleihen, einerseits weil die Märkte erwarten, dass diverse Zentralbanken die Zinsen erhöhen werden, anderseits weil Mehrausgaben und Subventionen zur Sicherstellung der Energieversorgung und -sicherheit zu höheren Defiziten führen könnten.
Das Ausmass des wirtschaftlichen Schadens hängt entscheidend von der Dauer des Konflikts ab. Insbesondere die Aktienmärkte gehen weiter davon aus, dass es sich um eine zeitlich begrenzte Eskalation handelt – nicht zuletzt, weil die USA, Europa und China ein starkes Interesse daran haben, einen länger anhaltenden Energieschock zu vermeiden. Gleichzeitig steigt aber das Risiko, dass die unsichere Lage rund um die Strasse von Hormus länger anhält, womit erhöhte Energiepreise die Weltwirtschaft zunehmend belasten würden. Die iranische Führung scheint erkannt zu haben, dass sie mit der Handelsblockade beachtlichen wirtschaftlichen Druck ausüben und damit auch ihre Verhandlungsposition in einer allfälligen Diskussion über einen Waffenstilstand verbessern kann.
An den Märkten ist diese Unsicherheit nur teilweise eingepreist. Während eine breit angelegte Panik unseres Erachtens noch ausbleibt, sind aber unter der Oberfläche erste Verwerfungen sichtbar. Diese bieten taktische und strukturelle Handlungsmöglichkeiten für Anleger:
Erstens denken wir, dass der starke Anstieg der kurzfristigen Renditen an den Anleihenmärkten Leitzinserhöhungen antizipiert, die in diesem Ausmass nicht realistisch sind. Zwar ist es durchaus vorstellbar, dass Zentralbanken in diesem Umfeld erstmals abwarten, aber die Vergangenheit zeigt, dass geldpolitische Massnahmen bei Angebotsschocks wenig bis nichts helfen. Für Anleger ergibt sich somit eine Chance, taktisch in kurz laufende Anleihen zu investieren, um Risiken zu reduzieren – insbesondere dort, wo die Aktienquoten momentan zu hoch sind. Gerade im Euroraum sehen wir attraktive Opportunitäten.
Zweitens geht der Markt auch davon aus, dass diese Zinserhöhungen zu höheren Opportunitätskosten führen, was typischerweise den Goldpreis belastet. Da wir keine Zinserhöhungen erwarten, sehen wir auf den aktuellen Niveaus attraktive Einstiegsmöglichkeiten, nicht nur bei Gold, sondern auch bei Rohstoffen insgesamt.
Drittens untermauert der Konflikt im Mittleren Osten langfristige Trends: Energieunabhängigkeit, Versorgungssicherheit und strategische Souveränität. Wir gehen davon aus, dass viele Staaten künftig noch mehr investieren werden, um sich für künftige Krisen besser zu wappnen. Die Infrastrukturinvestitionen und ausgewählte Private-Equity-Anlagen können Portfolios sinnvoll ergänzen. Im aktuellen Null- und Tiefzinsumfeld können solche Anlagen zumindest partiell über eine Reduktion bei den Anleihen finanziert werden.
Vor diesem Hintergrund dürfte auch die Kernenergie wieder stärker in den Fokus der Energiepolitik rücken. Sie bietet eine stabile, CO₂-arme und heimische Energiequelle – Eigenschaften, die in der aktuellen Lage stark an Bedeutung gewinnen. Trotz der Risiken scheint die politische Unterstützung weltweit zuzunehmen und das steigende Anlegerinteresse spiegelt diesen möglichen Paradigmenwechsel wider.
Unser Fazit: Kurzfristig bleibt die Unsicherheit hoch und die Wahrscheinlichkeit einer Wirtschaftskrise steigt mit jeder Woche, in der die Energie- und Güterexporte durch die Strasse von Hormus unterbrochen bleiben. Weitere Kursrückgänge – insbesondere bei Aktien – sind also durchaus vorstellbar, womit ein vorsichtiges, taktisches Risikomanagement in den Vordergrund rückt. Gerade bei einer erhöhten Aktienquote können sich Anleger überlegen, ob und, falls ja, wie ihr Portfolio am besten abgesichert werden kann. Die erhöhte Volatilität, die kurzfristig gestiegenen Zinsen und die Korrektur an den Märkten machen unserer Meinung nach strukturierte Strategien attraktiv, sowohl zur Absicherung von Portfoliorisiken als auch zur Einkommensgenerierung. Doch gilt es auch festzuhalten, dass sich die Lage relativ schnell normalisieren könnte. Damit entstehen auch interessante Chancen, die oben erwähnten taktischen und strukturellen Opportunitäten konsequent zu nutzen, um das Portfolio sowohl widerstandsfähiger als auch zukunftsfähiger zu positionieren.
