
Der Schweizer Franken behält scheinbar auch dieses Jahr seine Rolle als «sicherer Hafen». Anfang Februar fiel EURCHF kurzzeitig unter die Marke von 0.91 – ein Niveau, das zuletzt bei der Aufhebung der Untergrenze erreicht wurde. Auch gegenüber dem US-Dollar notiert der Franken stärker, nachdem er 2025 bereits über 12 Prozent aufgewertet hatte. Die erneute Aufwertung ist Ausdruck eines Umfelds, das von geopolitischer Unsicherheit, gedämpftem Wachstum und einer hohen Sensibilität der Märkte für Risiken geprägt ist. In diesem Umfeld suchen Investorinnen und Investoren möglichst viel Stabilität, beispielsweise im Franken.
Gemäss unserer Devisenumfrage sehen Unternehmer politische und geopolitische Ereignisse als Hauptursache der anhaltenden Frankenstärke. Hinzu kommen wirtschaftliche Unsicherheiten sowie die Geldpolitik der grossen Zentralbanken. Während die Schweiz mit tiefer Inflation und soliden Staatsfinanzen vergleichsweise robust dasteht, bleiben die Wachstumsaussichten in der Eurozone fragil und der Dollar wird von politischen Unsicherheiten und steigenden Schulden belastet. Da sich an diesem Bild vorerst kaum etwas ändern dürfte, gehen wir nicht davon aus, dass der strukturelle Aufwertungsdruck auf den Franken verschwindet.
Eine Meinung, die die Schweizer Unternehmen gemäss teilen: Bis Ende 2026 erwarten die 300 befragten Schweizer Firmen im Schnitt einen EURCHF-Kurs von 0.91 und einen USDCHF-Kurs von 0.78, also Wechselkurse, die seitwärts tendieren. Für etliche Unternehmen scheint die Frankenstärke allerdings kein existenzielles Problem zu sein. Sie geben an, dass die Aufwertung gegenüber dem US-Dollar keinen oder sogar einen positiven Effekt hatte – etwa, weil sie stark importorientiert sind oder die USA keinen zentralen Absatzmarkt darstellen. Anders sieht die Lage aber für jene Exporteure aus, deren Umsätze stark vom Dollar abhängen: Für rund die Hälfte von ihnen wirkte sich die Kombination aus Frankenaufwertung und höheren US-Zöllen klar negativ aus. Für 11 Prozent von ihnen lohnen sich US-Exporte beim aktuellen Kursniveau nicht mehr. Würde der USDCHF-Kurs auf 0.70 bis 0.75 sinken, müsste fast die Hälfte dieser Firmen ihre US-Exporte als unrentabel einstufen.
Auch der Konjunkturausblick bleibt verhalten. Zwar hat sich mit dem im November vereinbarten Zollabkommen zwischen der Schweiz und den USA die Stimmung leicht verbessert. Dennoch erwarten insgesamt mehr Unternehmen für 2026 ein tieferes als ein höheres Wachstum. Diese Einschätzung deckt sich mit unseren Prognosen von 0,9 Prozent Wachstum für das aktuelle Jahr. Erst mit einer allfälligen Belebung der deutschen Wirtschaft ab der zweiten Jahreshälfte 2026 dürfte die Schweiz wieder näher an ihr Trendwachstum heranrücken. Diese erwartete Erholung der deutschen und damit auch der europäischen Konjunktur ist dann auch das zentrale Argument, weshalb unsere Währungsspezialisten für EURCHF bis zum Sommer eine Aufwertung auf 0.95 erwarten. Diese Prognose ist durchaus realistisch; der Franken ist gegenüber dem Euro gemäss unseren Schätzungen überbewertet. Falls dies nicht eintritt, dürfte der Franken seine Rolle als «sicherer Hafen» auch gegenüber dem Euro dieses Jahr kaum loswerden.
Trotz Frankenstärke, tiefer Inflation und gedämpftem Wachstum scheint die Schweizerische Nationalbank (SNB) derzeit wenig Anlass für Interventionen zu sehen. Der Leitzins dürfte in den kommenden zwölf Monaten bei 0 Prozent verharren. Eine anhaltende Frankenaufwertung dürfte die Inflation weiter dämpfen und die Gefahr negativer Monatswerte erhöhen, doch die Gesamtinflation dürfte auch 2026 über null bleiben. Deviseninterventionen sind in diesem Umfeld möglich, doch wir denken, dass sie punktuell bleiben dürften. Die Bedingungen für eine dauerhafte Frankenschwächung sind unseres Erachtens nicht gegeben; das bestätigt auch unsere Devisenumfrage.
Unser Fazit? Für den hiesigen Exportsektor ist das Umfeld anspruchsvoll; doch systematische Währungsinterventionen sind auch mit Kosten verbunden – politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Natur. In einem Umfeld, in dem kaum noch einfache Entscheide möglich sind, hat sich die SNB gegen geldpolitischen Aktionismus entschieden. Entsprechend dürfte die strukturelle Frankenstärke damit Realität bleiben, auch wenn phasenweise Konsolidierungsbewegungen möglich sind. Für Anleger kann es sich in diesem Umfeld durchaus lohnen, einen Teil ihres Fremdwährungsportfolios abzusichern, insbesondere gegenüber dem Dollar und trotz der historisch betrachtet vergleichsweise hohen Kosten.
