K眉nstliche Intelligenz ver盲ndert, wie Infrastrukturinvestitionen analysiert und bewertet werden. Doch welche Rolle kann sie bei langfristigen Investitionsentscheidungen spielen und wo bleibt menschliche Urteilskraft unverzichtbar?

Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Gespr盲chs zwischen Roland Hantke, Head of Unified Global Alternatives 鈥 Infrastructure, und dem Neurowissenschaftler und Autor Dr. Henning Beck. Hantke verantwortet private Infrastrukturinvestitionen 眉ber verschiedene Sektoren hinweg, von Energie und Versorgern 眉ber Kommunikationsnetze bis hin zu Transport- und sozialer Infrastruktur. Gerade in diesem Bereich sind Investitionsentscheidungen besonders komplex: Projekte erfordern h盲ufig Kapitalbindungen 眉ber zehn bis zwanzig Jahre und m眉ssen technologische, regulatorische und gesellschaftliche Entwicklungen antizipieren.

Vor diesem Hintergrund stellt sich in der Investmentpraxis eine zentrale Frage: Welche Rolle kann k眉nstliche Intelligenz bei solchen langfristigen Infrastrukturentscheidungen tats盲chlich spielen?

KI als leistungsstarkes Analyseinstrument

F眉r Beck liegt die St盲rke moderner KI-Systeme vor allem in der Analyse grosser Datenr盲ume. Modelle k枚nnen Szenerien simulieren, Muster erkennen und umfangreiche Informationsmengen strukturieren.

Gerade im Investmentprozess kann dies erhebliche Vorteile bringen. Infrastrukturinvestitionen erfordern h盲ufig umfangreiche Due-Diligence-Prozesse mit Tausenden von Dokumenten, technischen Gutachten und komplexen Finanzmodellen. Hier kann KI helfen, Daten schneller auszuwerten und Entscheidungsgrundlagen klarer aufzubereiten.

Die strategische Entscheidung selbst bleibt jedoch menschlich. Investitionsentscheidungen entstehen nicht aus reinen Rechenoperationen, sondern aus der Bewertung von Unsicherheiten.

KI-Systeme basieren auf historischen Daten. Sobald sich Rahmenbedingungen stark ver盲ndern, stossen sie an Grenzen. Beck verweist auf ein Beispiel aus der Pandemie: KI-Modelle, die zuvor medizinische Bilddaten analysierten, konnten neue Covid- Krankheitsbilder zun盲chst nicht korrekt erkennen, weil diese nicht Teil der Trainingsdaten waren.

F眉r Investoren bedeutet das: KI kann Entscheidungsprozesse unterst眉tzen, sie ersetzt jedoch nicht das unternehmerische Urteil.

Wenn mehr Informationen Entscheidungen erschweren

Ein weiteres Thema des Gespr盲chs war die Rolle von Information im Entscheidungsprozess. In der Psychologie spricht man vom sogenannten Overchoice-Effekt: Wenn Menschen mit zu vielen Optionen oder Datenpunkten konfrontiert werden, sinkt h盲ufig die Qualit盲t ihrer Entscheidungen.

Auch im Investmentkontext ist dieses Ph盲nomen relevant. Infrastrukturprojekte generieren enorme Mengen an Daten, von technischen Studien 眉ber regulatorische Analysen bis hin zu Marktprognosen.

Ab einem bestimmten Punkt wird mehr Information nicht mehr hilfreich. Menschen verlieren dann die 脺产别谤sicht und Entscheidungen werden schwieriger.

Hier kann KI einen wichtigen Beitrag leisten: nicht, indem sie Entscheidungen ersetzt, sondern indem sie Informationsmengen strukturiert, verdichtet und zug盲nglich macht. Gerade in der Analysephase kann sie helfen, schneller zu den relevantesten Fragestellungen vorzudringen.

Trends erkennen, bevor sie sichtbar werden

Besonders deutlich werden die Grenzen datenbasierter Modelle bei der Identifikation neuer Trends. Viele Investmentstrategien beruhen darauf, Entwicklungen fr眉hzeitig zu erkennen, oft lange bevor sie im Mainstream angekommen sind.

F眉r Beck ist diese F盲higkeit zutiefst menschlich. Neue Trends entstehen selten aus 枚ffentlich verf眉gbaren Daten. Sie werden sichtbar durch Gespr盲che mit Unternehmen, durch Beobachtung gesellschaftlicher Ver盲nderungen oder durch strategische Interpretation von Marktentwicklungen.

Gerade im Infrastrukturbereich zeigt sich diese Herausforderung besonders deutlich. Neue Anlageklassen entstehen h盲ufig dort, wo technologische Entwicklungen auf ver盲nderte gesellschaftliche Bed眉rfnisse treffen, etwa bei digitaler Infrastruktur, neuen Energieformen oder spezialisierten Logistikl枚sungen.

F眉r Beck liegt der entscheidende Punkt darin, dass solche Entwicklungen h盲ufig zun盲chst ausserhalb der etablierten Marktanalysen entstehen. Um das zu illustrieren, verweist er auf ein Beispiel aus einem ganz anderen Bereich: die Entwicklung von Kaffeekapseln.

Vor drei Jahrzehnten h盲tte kaum jemand erwartet, dass sich ein globaler Markt rund um kleine Aluminiumkapseln und spezielle Kaffeemaschinen entwickeln w眉rde. Erst durch das fr眉hzeitige Erkennen eines neuen Konsumentenbed眉rfnisses entstand ein Milliardenmarkt.

脛hnlich funktioniert Trendidentifikation auch im Infrastrukturkontext. Neue Technologien, regulatorische Ver盲nderungen oder gesellschaftliche Bed眉rfnisse k枚nnen neue Anlageklassen entstehen lassen, h盲ufig zun盲chst unter dem Radar der etablierten Marktanalysen.

Solche Chancen zu erkennen, erfordert Erfahrung, Neugier und die Bereitschaft, auch kontraintuitive Hypothesen zu pr眉fen.

Motivation und Anreize im Investmentprozess

Neben Technologie und Daten spielen auch menschliche Anreize eine wichtige Rolle f眉r erfolgreiche Investitionsentscheidungen. Beck verweist auf drei zentrale Faktoren, die menschliches Handeln antreiben: das Streben nach Freiheit und Autonomie, den Wunsch nach Verbesserung sowie soziale Anerkennung.

Gerade bei Infrastruktur-Assets zeigt sich, wie stark Managementanreize die Performance beeinflussen k枚nnen. Ein weiterer Aspekt, der im Infrastrukturkontext h盲ufig eine Rolle spielt, sind unterschiedliche Eigent眉mer- und Haltestrukturen. Infrastruktur-Assets k枚nnen sich unter staatlicher F眉hrung, innerhalb von Industriekonzernen oder unter spezialisierten Investoren sehr unterschiedlich entwickeln.

F眉r Beck liegt der Grund vor allem in den unterschiedlichen Zielsystemen und Anreizstrukturen. W盲hrend staatliche Betreiber h盲ufig prim盲r Gemeinwohlziele verfolgen, etwa Versorgungssicherheit oder gesellschaftliche Infrastruktur, stehen bei privatwirtschaftlichen Investoren st盲rker Effizienz, Wertsteigerung und Kapitalrendite im Vordergrund. Diese unterschiedlichen Perspektiven pr盲gen letztlich auch Managemententscheidungen und k枚nnen erheblichen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung einer Infrastrukturinvestition haben.

Ein und dieselbe Anlage kann, abh盲ngig von Governance-Strukturen und Incentive-Systemen, sehr unterschiedliche wirtschaftliche Ergebnisse liefern.

Finanzielle Anreize k枚nnen Motivation unterst眉tzen, haben jedoch Grenzen. Ein Problem entsteht, wenn Belohnungen zu weit in der Zukunft liegen. Menschen bewerten zuk眉nftige Ertr盲ge deutlich geringer als unmittelbare 鈥 ein Effekt, der in der Verhaltens枚konomie als hyperbolische Diskontierung bekannt ist.

Ein weiteres Risiko besteht darin, dass rein finanzielle Anreizsysteme intrinsische Motivation verdr盲ngen k枚nnen. Wenn Leistung ausschliesslich monet盲r gesteuert wird, verlieren Menschen h盲ufig den Bezug zu der T盲tigkeit selbst.

Gerade bei langfristigen Infrastrukturinvestitionen, deren Erfolg sich oft erst 眉ber viele Jahre zeigt, ist daher ein ausgewogenes Zusammenspielt aus finanziellen und nicht-finanziellen Anreizen entscheidend.

Infrastruktur zwischen zwei Zeitlogiken

Ein besonders spannender Aspekt ergibt sich aus der Verbindung von KI und Infrastruktur. In der Technologiebranche dominieren schnelle Innovationszyklen: Produkte werden entwickelt, getestet und innerhalb kurzer Zeit weiter verbessert.

Infrastrukturinvestitionen folgen hingegen deutlich l盲ngeren Zeitr盲umen. Der Bau von Energieanlagen, Netzen oder Rechenzentren erfordert oft Jahre oder sogar Jahrzehnte.

Damit treffen zwei unterschiedliche Zeitlogiken aufeinander. Unternehmen m眉ssen entscheiden, ob langfristige Infrastrukturinvestitionen sinnvoll sind, wenn sich technologische Entwicklungen m枚glicherweise schneller ver盲ndern als die Investitionen amortisiert werden.

Gerade im Kontext von Rechenzentren, Energieversorgung und digitaler Infrastruktur wird diese Frage aktuell intensiv diskutiert.

F眉r Investoren entsteht daraus ein Spannungsfeld, aber auch eine Chance. Denn dort, wo langfristige Infrastrukturentscheidungen mit technologischer Unsicherheit zusammentreffen, gewinnt menschliches Urteilsverm枚gen an Bedeutung.

Oder, wie Beck es beschreibt: Investitionsentscheidungen entstehen immer unter Unsicherheit und genau in diesem Raum kann auch Wettbewerbsvorteil entstehen.

脺产别谤 den Verfasser
  • Henning Beck

    Henning Beck

    Dr. Henning Beck studierte Biochemie an der Universit盲t T眉bingen und spezialisierte sich fr眉h auf Neurowissenschaften. Nach seiner Promotion 2012 an der Graduate School of Cellular & Molecular Neuroscience in T眉bingen absolvierte er 2013 ein International Diploma in Projektmanagement an der University of California, Berkeley. Anschliessend arbeitete er in der San Francisco Bay Area mit Start ups zusammen, um Innovationsprozesse mithilfe neurowissenschaftlicher Erkenntnisse zu unterst眉tzen.

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